Statusmitteilung zur 8. Plenartagung
Der Landeselternrat war heute Gast in der Sekundarschule Diesterweg in Stendal. Wir wollten diesen Veranstaltungsort als Zeichen unserer landesweiten Zuständigkeit und Präsenz nutzen.
Daher möchten wir es nicht versäumen, den Organisatoren an dieser Stelle herzlich für das tolle Umfeld und die Gastfreundschaft zu danken.
Als Gäste begrüßten wir heute:
- Frau Gerth, in Ihrer Funktion als stv. Landesvorsitzende der GEW (Gewerkschaft der u.a. Lehrer)
- Frau Starke, Elternvertreterin einer Grundschule
- Frau Szebrat, stv. Leiterin der Sekundarschule Diesterweg (Stendal)
- Staatsanwalt B. Blasczyk, Staatsanwaltschaft Stendal
Thematisch starteten wir mit dem weiterhin präsenten Thema zu Änderungen in der Elternwahlverordnung, die als neuer entwurf zur Anhörung vorliegt. Weitergehende Ideen von uns sbedürfen einer Änderung des Landesschulgesetzes.
Ein anderer Diskussionspunkt waren Anfragen zentraler Elternvertretungen (Kreis-/Stadtelternrat) direkt an die Schulen. Derzeit sind diese im Regelfall nur über den Zwischenschritt der Befragung des Landesschulamtes (LSA). Frau Gerth merkte an, dass es derzeit doch bereits statistisch erfasste Daten über die Unterrichtsversorgung (und somit dem Lehrkräftemangel) gibt. Die Problematik und das Unverständnis liegen in der Offenlegung dieser Daten gegenüber den Eltern(-vertretungen). Vorschlag, unter anderem von Frau Gerth, ist hier die enge Zusammenarbeit mit dem Landesschulamt und Abklärung der rechtlichen Situation.
Weiterhin regen wir die Verlängerung von Amtsperioden der gewählten Elternvertreter an, um langfristige Arbeit der Gremien abzusichern.
In Vorbereitung der 9. Plenartagung ist es unser Ziel, eine Bündelung der Interessen von Landeselternrat, Landesschülerrat und GEW zu forcieren. Dazu werden wir prüfen, welche konkreten Ziele wir gemeinsam angehen können. Es gilt Kernthemen aufzugreifen: Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall sind absolut beherrschende Themen.
Frau Gerth zeichnete hier das Bild der Lehrerversorgung aus Sicht der GEW auf. Die Unterrichtsversorgung bleibt ein generelles Problem, da sich auch das thema „Fehlende Lehrer“ in den kommenden Schuljahren verkompliziert. Die Ausbildungs- und Studienplätze reichen rein rechnerisch derzeit in Hinblick auf Bedarfszahlen bei weitem nicht aus. Auch sollten Altersteilzeitregelungen für ältere Lehrer überarbeitet und dann dementsprechend neu realisiert werden. Die Thematik der sogenannten Vertretungsreserven müssen neu überdacht und organisiert werden um Arbeitsbedingungen an den Schulen langfristig zu verbessern (z.B. über Honorarlehrkräfte). Auch Weiterbildungen sind wichtig und müssen als Arbeitszeit (vertretungs-) technisch geregelt sein, dürfen also nicht zu weiteren Ausfallzeiten führen. Seitens der GEW, so betonte Frau Gerth, ist man hier gewillt Lösungen zu erzielen.
Das Gremium der Landeselternvertreter stellte klar heraus, dass es keine Unterschiede in der Versorgung zwischen den Schulformen geben darf. Oft ist leider zu beobachten, dass kommunal abhängige Rangfolgen festzustellen sind. Beispielhaft formuliert existieren kommunal mitunter Sekundarschulen „abgewertet“, Gesamtschulen „geduldet“, Gymnasien „verheiligt“ oder Förderschulen „unerwähnt“.
Doch wie kommt man voran um langfristige Lösungen gegenüber der Landesregierung um- und durchzusetzen? Wie bekommt man „Junglehrer“ in ländliche Regionen & Kleinstädte? Wie motiviert man die vorhanden Lehrkräfte „offen für Neues“ zu sein? Wie bekommt man vorhandene Lehrer wieder in die Klassenräume und minimiert die bürokratischen und verwaltungstechnischen Nebenbelastungen?
Frau Gerth regte verschiedene Eckpunkte zur Zusammenarbeit an. Auch auf die demografische Entwicklung sollte flexibel reagiert werden, bisherige Prognosen der Bevölkerungsentwicklung für unser Land waren immer wieder unzutreffend.
Als besonderer Tagesordnungspunkt wurde auch zur Thematik Drogenkriminalität durch Staatsanwalt Blasczyk referiert. Bei den legalen Suchtmitteln wie Nikotin und Alkohol sind auch Handy und Internet aktuell. Hauptproblem jedoch bilden die illegalen Suchtmittel (Narkotika) als ernstzunehmendes Alltagsproblem auch in der Schullandschaft. Dieses darf nicht ignoriert oder verharmlost werden durch Begrifflichkeiten oder Unterscheidungen wie „weiche und harte Drogen“, die auch dem heutigen Forschungsstand nicht mehr entsprechen.
Um dies zu verstehen erklärte uns Herr Blasczyk hierzu verschiedene Begrifflichkeiten wie z.B. Wirkstoffe und Abhängigkeitsstufen umfassend und verständlich. Die Zulässigkeiten und Definitionen sind im Betäubungsmittelgesetz des Bundes (BTMG) geregelt und definiert. Problematisch sind hier auch die synthetischen Möglichkeiten zur Veränderung der chemischen Wirkstoffe, wodurch Verbote durch das BTMG bis zur jeweiligen Aktualisierung umgangen werden.
In Sachsen Anhalt sind die natürlichen harten Drogen aufgrund des vergleichbar hohen Kostenfaktors nicht vordergründig. Hier ist eine andere Drogenkultur als in den alten Bundesländern mit offenem Drogenkonsum anzumerken. Im Bereich der synthetischen Drogen sieht dies jedoch anders aus. Demnach werden hierzulande meist Amphetamine & Aufputschmittel hier mit ansteigender Tendenz konsumiert. Es gibt demnach keine Schule im Land, welche keinen Drogenkonsum zu verzeichnen hat. Der Erwerb wurde anhand entsprechender Tests an allen Schulen geprüft und war überall möglich. Die Altersstruktur beginnt bereits bei 11jährigen Schülern. Durch Gruppenzwang ist die Hemmschwelle abgesenkt und sehr niedrig. Dies ist der derzeitige Kernpunkt in der Verbreitungsursache dieser Drogen. Die Dunkelziffer ist hier das eigentliche Problem und sicherlich deutlich höher als bekannt.
Im Gesetz ist der Konsum dieser Amphetamine mit Strafe belegt. Lediglich der Erwerb und Vertrieb sind strafbar. Dies ist ein zentraler Streitpunkt. Lehrer müssen keine Anzeige stellen, wenn Schüler beim Konsum erwischt werden. Dies ist eine Gratwanderung. Manche Schulen zeigen generell jeden Vorfall an. Andere argumentieren dem entgegen, dass die Funktion eines Lehrers als Vertrauensperson für Schüler dem entgegen steht. Unsicherheiten von Lehrern im Umgang auf Klassenfahrten sind somit oft ein Gewissenskonflikt. Anzuraten ist hier mindestens einen Arzt, im Sinne der Vorsorgepflicht, einzubeziehen und die Weitergabe der Drogen an mitschüler zu unterbinden.
Ganz klare Aussage ist: Prävention ist und bleibt das wichtigste Mittel im Kampf gegen Drogen.
Die stellvertrende Schulleiterin der Gastschule, Frau Szebrat, referierte zu „AFS & Interkulturelles Lernen“ (American Field Service). Dahinter verbirgt sich eine seit 1948 anerkannte Organisation zum Schüleraustausch, für Gastfamilienservice und Freiwilligendienst. Der Name AFS entstand durch die US-amerikanischen humanitären Hilfsleistungen im 2. Weltkrieg. Unter anderem ist Alfred Biolek ein Schirmherr des Projektes. Eine Beispielzahl: im Schuljahr 2014/2015 sind über den Verein 1.050 Schüler aus Deutschland weltweit unterwegs. Realisiert wird dies auch über sogenannte „Stipendientöpfe“ oder Wirtschafts-Fördergelder.
Abschließend gilt unser Aufruf allen, denen die Bildungspolitik in Sachsen-Anhalt wichtig ist. Lasst uns das Thema „Bildungszukunft“ zum zentralen Thema unserer Arbeit für die Landtagswahl 2016 machen. Es ist Zeit für Veränderungen, denn es geht um die Zukunft unserer Kinder.